2/​6-​Regel von Dr. Alex­an­der Elder

Team Tradingwissen Comments

Nütz­li­che Gedan­ken zum Risk- und Money­ma­nage­ment

Der ame­ri­ka­ni­sche Tra­der und Bör­sen­psy­cho­lo­ge Dr. Alex­an­der Elder hat eine recht  ein­fa­che Metho­de ent­wi­ckelt, um Risi­ken am Markt zu steu­ern. Sein auf­ge­stell­tes Kon­zept lässt sich auch her­vor­ra­gend auf den Han­del mit meh­re­ren Posi­tio­nen gleich­zei­tig über­tra­gen.

Nach vie­len Jah­ren als Bör­sen­coach fiel ihm auf: „Was bringt es mir, wenn ich mei­nen Schü­lern Dis­zi­plin pre­di­ge? Dis­zi­plin ist nicht greif­bar. Was genau muss ich denn tun, um dis­zi­pli­niert zu sein? Man muss sich an das selbst imple­men­tier­te Money- und Risi­ko­ma­nage­ment hal­ten – das ist der ein­zi­ge Weg zur Dis­zi­plin. Doch wie fin­det man bei die­sem Wirr­warr an Ansät­zen den rich­ti­gen? Ich habe eine ein­fa­che Regel ent­wi­ckelt, mit der Sie dis­zi­pli­niert an den Märk­ten agie­ren kön­nen.“

Er tauf­te das von ihm ent­wi­ckel­te Prin­zip „2/​6-​Regel. Grund­sätz­lich besteht die 2/​6-​Regel aus zwei ent­schei­den­den Kom­po­nen­ten, die bei strik­ter Anwen­dung das Han­dels­ka­pi­tal eines Händ­lers schüt­zen.

Zum einen darf der Tra­der nicht mehr als 2 % des Gesamt­port­fo­li­os pro ein­ge­gan­ge­ner Posi­ti­on ris­kie­ren.

Zum ande­ren muss der Tra­der sei­nen Han­del bis zum Monats­en­de ein­stel­len, sofern sein Depot einen Draw­down von maxi­mal 6 % erlei­det. Die­se Aus­sa­ge bezieht sich immer auf den aktu­el­len Han­dels­mo­nat.

War­um kommt Dr. Alex­an­der Elder auf genau 2% pro Tra­de und war­um soll man genau nach 6% Draw­down den Han­del ein­stel­len?

Sta­tis­ti­sche Unter­su­chun­gen zei­gen, dass wer mehr als 2 % pro Tra­de von sei­nem gesam­ten Han­dels­ka­pi­tal ris­kiert, kei­ne lan­gen Über­le­bens­chan­cen am Markt hat. Ange­nom­men ein Tra­der han­delt 5 Posi­tio­nen gleich­zei­tig, so ver­liert er, wenn bei allen Tra­des der initia­le Stopp greift, 10 % sei­nes Kapi­tals. Wür­de der Händ­ler statt 2 % pro Tra­de, 10 % ris­kie­ren, so ver­liert er 50 % sei­nes Depots. Ein Draw­down von 10 % ist schmerz­lich, jedoch ist das Depot bereits nach 11.1 % Per­for­mance zurück auf dem Aus­gangs­wert. Wer aller­dings 50 % hin­ten liegt, braucht bereits eine Per­for­mance von 100 % um den Ver­lust wie­der aus­zu­glei­chen. Vie­le Jung­tra­der schei­nen Risi­ken in die­ser Grö­ßen­ord­nung bil­li­gend in Kauf zu neh­men, denn vie­le Bro­ker bestä­ti­gen, das vie­le Tra­ding­kon­ten nur weni­ge Mona­te alt wer­den.

Aber Moment – 5 Minus­tra­des hin­ter­ein­an­der? Geht das als guter Tra­der? – wer­den eini­ge ein­wen­den. Doch all jenen sei gesagt, bei den meis­ten Tra­dingstra­te­gi­en ist so ein Draw­down sta­tis­tisch nicht nur mög­lich, son­dern sogar irgend­wann höchst wahr­schein­lich.

Um gar nicht erst so eine Ver­lust­spi­ra­le ent­ste­hen zu las­sen, ver­bie­tet Dr. Alex­an­der Elder sei­nen Schü­lern das Tra­den nach einem Ver­lust von 6% des Han­dels­ka­pi­tals inner­halb eines Han­dels­mo­nats. So eine Rege­lung macht aus vie­ler­lei Hin­sicht Sinn.

Zum einen wird ver­hin­dert, dass der Händ­ler „blind” in zu vie­le Posi­tio­nen gleich­zei­tig hin­ein­stol­pert. Er weiß, dass er sei­nen Han­del bis zum Ende des Monats nach 6% Ver­lust ein­stel­len muss. Ris­kiert er pro Posi­ti­on 2% sei­nes Han­dels­ka­pi­tals, so wird er nie mehr als 3 Posi­tio­nen gleich­zei­tig eröff­nen. Wür­den näm­lich alle 3 Posi­tio­nen gegen ihn lau­fen (was durch­aus pas­sie­ren kann), so hat er bereits die für ihn bedeu­ten­de Gren­ze von 6% erreicht. Dadurch ist ihm zu jeder Zeit bewusst, wie viel Risi­ko sein Port­fo­lio aktu­ell auf­weist. Mehr als 6% von sei­nem zur Ver­fü­gung ste­hen­den Han­dels­ka­pi­tals soll­te der Händ­ler näm­lich nie wäh­rend eines Tra­ding­mo­nats ver­lie­ren.

Dies führt dazu, dass der Händ­ler mit Ein­hal­tung die­ser Regel auf den Markt reagiert. Meist funk­tio­nie­ren Stra­te­gi­en nicht immer gleich gut. Ten­diert ein Markt seit­wärts, per­formt eine Trend­fol­ge­stra­te­gie bei­spiels­wei­se meist schlecht. Ver­liert ein Tra­der nun öfter hin­ter­ein­an­der, muss er das als Zei­chen des Mark­tes erken­nen, dass sei­ne Stra­te­gie nicht zum aktu­el­len Markt­um­feld passt. Nach 6% Ver­lust sei­nes Han­dels­ka­pi­tals, wird der Händ­ler für den Monat den Han­del ein­stel­len. So läuft er nie Gefahr in einen immer grö­ße­ren Draw­down hin­ein­zu­ge­ra­ten. War­tet der Tra­der gedul­dig bis zum Beginn des neu­en Monats mit der Wie­der­auf­nah­me von Posi­tio­nen, so hat sich bis dahin womög­lich auch die „Wet­ter­la­ge” an den Märk­ten gewan­delt und sei­ne Stra­te­gie funk­tio­niert wie­der.

Außer­dem bannt der Händ­ler somit auch eher die Gefahr in ein zu star­kes emo­tio­na­les Ungleich­ge­wicht zu ver­fal­len. Er bleibt ruhig und gelas­sen und trifft wei­ter­hin nur beson­ne­ne Ent­schei­dun­gen, fern ab von Aktio­nis­mus.

Dr. Alex­an­der Elder bringt die­sen Teil des Risk- und Money­ma­nage­ments pas­send auf den Punkt: „Die 6% -Regel schützt Sie vor Piran­has. Wenn Sie anfan­gen zu bei­ßen, dann sehen Sie zu, dass Sie aus dem Was­ser kom­men und las­sen Sie sich von die­sem wider­li­chen Fisch nicht zu Tode knab­bern.”

  • Ver­an­schau­li­chen wir uns das Gesag­te noch­mal an Hand eines Pra­xis­bei­spiels: Neh­men wir an ein Tra­der beginnt sei­ne Han­dels­kar­rie­re nach der Ein­zah­lung von 100.000 € auf sein Depot. Bevor er die ers­te Posi­ti­on eröff­net, legt er sich sein Risk – und Money­ma­nage­ment zurecht: Er möch­te pro Posi­ti­on maxi­mal 2 % des Kon­tos, also 2000 €, ris­kie­ren und einen maxi­ma­len Draw­down von 6 % pro Monat, also 6000 €, zulas­sen.
  • Er begibt sich auf die Suche nach sei­nem „Lieb­lings­set­up” und wird fün­dig. Bevor er die Aktie A kauft, prüft der Händ­ler, wo sein Stopp sin­ni­ger­wei­se lie­gen muss. Danach berech­net er wie vie­le Stü­cke er sich leis­ten kann, um genau 2 % von sei­nem Kapi­tal oder 2000 € zu ris­kie­ren, aber nie mehr!
  • Am Fol­ge­tag sieht der Händ­ler zwei wei­te­re 5 Ster­ne Set­ups in den Akti­en B und C. Er kauft bei­de Akti­en und ris­kiert wie­der­um pro Posi­ti­on jeweils  2000 €.
  • Er ist nun mit 6 % sei­nes Gesamt­port­fo­li­os im Risi­ko. Wei­te­re Posi­tio­nen zu eröff­nen ist unter­sagt, da sich das Gesamt­ri­si­ko für sein Port­fo­lio ansons­ten jen­seits der 6% Gren­ze bewegt. Wür­den näm­lich alle 3 ein­ge­gan­ge­nen Posi­tio­nen aus­ge­stoppt, ver­liert der Händ­ler 6000 €.
  • Eini­ge Tage ver­ge­hen und der Händ­ler kann bei 2 Posi­tio­nen (Akti­en A und B) den Stopp bereits auf „Break-​Even” nach­zie­hen. Wür­den die bei­den Posi­tio­nen nun aus­ge­stoppt wer­den, macht der Tra­der weder einen Ver­lust noch einen Gewinn. Da Aktie C noch nicht weit genug gestie­gen ist, das eine Stopp­ver­set­zung Sinn ergibt, beträgt das Risi­ko für sein Depot also nur noch 2 %. Er beschließt einen aus­sichts­rei­chen Kan­di­da­ten D in sein Port­fo­lio auf­zu­neh­men, wie­der ris­kiert er für die­se Posi­ti­on 2% des Kapi­tals. Das Risi­ko für sein Han­dels­ka­pi­tal steigt auf ins­ge­samt 4 %.
  • Im Lau­fe der Woche wird Aktie C aus­ge­stoppt. Der Tra­der ver­liert 2% sei­nes Han­dels­ka­pi­tals. Die Stopps für die Akti­en A und B lie­gen immer noch auf Break Even. Auch bei Aktie D hat sich nicht viel getan, noch immer wür­de er 2 % ver­lie­ren, wenn die Aktie aus­ge­stoppt wird.
  • Der Tra­der begibt sich wie­der auf die Suche nach sei­nem Lieb­lings­set­up. Er fin­det zwei aus­sichts­rei­che Wer­te E und F. Darf er bei­de Akti­en han­deln? Über­le­gen wir kurz: Zwei Posi­tio­nen sind mit dem Stopp auf Break Even (Akti­en A und B). Bei Aktie C hat der Tra­der 2 % des Han­dels­ka­pi­tals ver­lo­ren, da der Stopp getrig­gert wur­de. Bei dem Wert D ver­harrt der Stopp noch bei 2 % Risi­ko. Wür­de er nun zwei neue Wer­te in sein Depot auf­neh­men, steigt sein Risi­ko bezo­gen auf das Han­dels­ka­pi­tal auf 6 %. Also alles in Ord­nung? Nicht ganz, natür­lich muss der Tra­der sei­nen Ver­lust­tra­de mit der Aktie C berück­sich­ti­gen. Es müs­sen also zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt wei­te­re 2% berück­sich­tigt wer­den, ansons­ten wür­de ein Draw­down von 8% dro­hen, wenn alle Tra­des gegen die gewünsch­te Rich­tung des Händ­lers lau­fen. Er darf also zu die­sem Zeit­punkt nur eine neue Posi­ti­on auf­neh­men, um die 6% Regel nicht zu ver­let­zen.

Um an der Bör­se dau­er­haft erfolg­reich zu sein, ist einer der wich­tigs­ten Bau­stei­ne das Risk-​und Money­ma­nage­ment. Wie genau der Tra­der die­sen Bau­stein in sei­nen Han­dels­plan inte­griert bleibt natür­lich dem Händ­ler selbst über­las­sen. Die 2/​6-​Regel von Dr. Alex­an­der Elder bie­tet einem ein ein­fa­ches, aber wohl­durch­dach­tes Tool, um sei­ne Risi­ken am Markt zu steu­ern.

Mehr von Dr. Alex­an­der Elder und des­sen Ansät­ze über das Risk-​und Money­ma­nage­ment nach­zu­le­sen in sei­nem Best­sel­ler „Come Into My Tra­ding Room”: