7 mar­kan­te Merk­ma­le einer Baisse

Team Tradingwissen Comments

Fal­len die Kur­se eines Bör­sen­ba­ro­me­ters (bspw. DAX) über eine län­ge­re Zeit, so spricht von einer Baisse bzw. einem Bären­markt. Die­se Begriff­lich­kei­ten wer­den aber auch dann ver­wen­det, wenn sich ein bestimm­ter Sek­tor (bspw. der Gold­sek­tor) oder auch nur ein bestimm­ter Wert (bspw. Tele­kom Aktie) in einem lang­an­hal­ten­den Abwärts­trend befin­den. Manch­mal dau­ert eine Baisse nur weni­ge Mona­te – manch­mal dau­ert es meh­re­re Jah­re – bis es zu einer neu­en Hausse, also einem nach­hal­ti­gen Auf­schwung kommt. Der bis­her schlimms­te Bären­markt der Geschich­te fällt in die Zeit der Welt­wirt­schafts­kri­se und ereig­ne­te sich von 1929 bis 1932. Der Dow Jones ver­lor in die­ser Zeit über 89% von sei­nem dama­li­gen Rekord­hoch, wel­ches erst im Sep­tem­ber 1929 mar­kiert wur­de. Es dau­er­te gan­ze 25! Jah­re bis der kom­plet­te Kurs­ver­lust ega­li­siert wur­de. Doch wel­che signi­fi­kan­ten Merk­ma­le wei­sen Bären­märk­te auf? Im Fol­gen­den wer­den 7 Punk­te dis­ku­tiert, die typisch für Bären­märk­te sind. Eini­ge Aus­sa­gen wer­den anhand von Charts des E-​Mini S&P 500 Futures ver­deut­licht. Ein­ge­gan­gen wird auf den Bären­markt wäh­rend der Finanz­kri­se, der in etwa von Ende 2007 bis Anfang 2009 tob­te.

 

  1. Bären regie­ren unter dem 200 Tage EMA (Expo­nen­ti­ell Glei­ten­der Durch­schnitt)

Fällt ein Markt unter den 200 Tage EMA ist das als ein ers­tes Warn­zei­chen zu ver­ste­hen. Die­ser glei­ten­de Durch­schnitt wird von vie­len Tra­dern, aber auch Inves­to­ren, als Grad­mes­ser für die Rich­tung der Märk­te ver­stan­den. Notiert ein Markt dar­über, haben die Bul­len das Ruder in der Hand. Fällt ein Markt dar­un­ter, regie­ren die Bären. Aller­dings gilt zu beach­ten: Die­ser Durschnitt muss als ent­schei­den­de Zone betrach­tet wer­den, auch wenn im Chart „nur“ eine Linie zu sehen ist. Tau­chen die Kur­se nach einer lan­gen Auf­wärts­be­we­gung in die Kor­rek­tur ab und unter­schrei­ten im Zuge die­ser kurz den 200 Tage EMA, stellt sich dies oft als Bären­fal­le her­aus. Der Trend hat sich nicht gedreht, son­dern nur scharf kor­ri­giert, um kurz dar­auf die eigent­li­che Auf­wärts­be­we­gung fort­zu­set­zen. Notiert ein Markt aller­dings län­ger unter der 200 Tage EMA und kann von die­ser kei­ne Auf­wärts­dy­na­mik mehr ent­fal­ten, so erhöht sich die Wahr­schein­lich­keit für einen Trend­wech­sel hin zu einer Baisse.

ES-200TageEMA

 

  1. Death Cross

Die Aus­sa­ge von oben bezüg­lich des 200 Tage EMA wird durch das tech­ni­sche Signal eines Death Cross ver­stärkt. All­ge­mein gespro­chen kreuzt bei einem Death Cross ein kurz­fris­ti­ger Glei­ten­der Durch­schnitt einen lang­fris­ti­gen. Bei der Erken­nung einer nach­hal­ti­gen Baisse gilt für vie­le Tra­der: Kreuzt der 50 Tage EMA den 200 Tage EMA von oben nach unten, so ist das Death Cross aktiv und der Markt befin­det sich spä­tes­tens dann in einem sehr nega­ti­ven Zustand und es muss mit wei­te­re fal­len­den Kur­sen gerech­net wer­den.

ES-DeathCross

 

  1. Fal­len­de Hoch und Tief­punk­te

Eine Baisse ist ein Abwärts­trend bestehend aus tie­fe­ren loka­len Hoch- und Tief­punk­ten. Dabei gilt: Je höher die Kurs­span­ne zwi­schen dem loka­len Tief- und Hoch­punkt des­to grö­ßer die Signi­fi­kanz. Ist die­se Kurs­for­ma­ti­on das ers­te Mal in einem Markt zu beob­ach­ten, so muss dies als Warn­zei­chen eines mög­li­chen bevor­ste­hen­den Bären­mark­tes ver­stan­den wer­den.

ES-tiefereHochs-tiefereTiefs

 

  1. Volu­men Betrach­tung

Ein wei­te­res signi­fi­kan­tes Merk­mal einer Baisse kann über die Volu­men­be­trach­tung gesche­hen: Zwi­schen­er­ho­lun­gen wer­den meist von gerin­gen Volu­men beglei­tet, wäh­rend Abver­käu­fe mit anstei­gen­dem Volu­men ein­her­ge­hen.

 

ES-Volumen

 

  1. Eine mehr­mo­na­ti­ge Top­bil­dung geht einer Baisse meist vor­aus

Märk­te ten­die­ren dazu einen Trend­wech­sel schlei­chend zu voll­zie­hen. Meist geht einer Baisse eine mehr­mo­na­ti­ge Seit­wärts­be­we­gung vor­aus in der eine Top­bil­dung voll­zo­gen wird. Es gibt immer weni­ger Käu­fer, die noch bereit sind die Kur­se wei­ter nach oben zu trei­ben und immer mehr Ver­käu­fer, die kur­ze Kurs­ral­lyes nut­zen, um Posi­tio­nen abzu­sto­ßen. Die­ses Spiel geht so lan­ge bis irgend­wann das Volu­men der Ver­käu­fe, das der Käu­fe über einen län­ge­ren Zeit­raum über­trumpft.

ES-Topbildung

 

  1. New High New Low Index

Die­ser Index stellt die Anzahl der Akti­en – meist eines Indi­zi­es – mit neu­en Höchst­kur­sen denen gegen­über, die neue Tiefst­kur­se gebil­det haben. In der Regel wer­den die 52-​Wochen-​Hochs mit den 52-​Wochen-​Tiefs ver­gli­chen. Mög­li­cher­wei­se kön­nen schon im Vor­feld einer Baisse Diver­gen­zen zwi­schen dem Ver­lauf des New High New Low Inde­xes und dem betrach­te­ten Markt auf­tre­ten. Am Ende einer Hausse wird der Markt oft nur noch von weni­gen Wer­ten nach oben gezo­gen, wäh­rend es immer weni­ger Wer­ten gelingt die erklom­me­nen Höchst­stän­de zu ver­tei­di­gen, geschwei­ge denn neue zu errei­chen. Beginnt der Markt dann auch selbst zu fal­len, so ist es posi­tiv zu wer­ten, wenn neue mar­kier­te Tief­punk­te im Markt vom New High New Low Index bestä­tigt wer­den. Dann wird der Abschwung von vie­len Wer­ten getra­gen.

 

    7. Das Auf­tre­ten von Dis­tri­bu­ti­ons­ta­gen

Das Auf­tre­ten eines mas­si­ven Volu­men­an­stiegs im Zuge einer Auf­wärts­be­we­gung ohne wei­te­ren Preis­an­stieg wird als Dis­tri­bu­ti­ons­tag bezeich­net. Meist schließt der Index an die­sen Tagen im Minus. Pro­fes­sio­nel­le Inves­to­ren liqui­die­ren ihre Posi­tio­nen, was einen Anstieg des Volu­mens nach sich zieht. Beson­de­re Bedeu­tung gewin­nen Dis­tri­bu­ti­ons­ta­ge, wenn die Span­ne zwi­schen dem Tages­hoch und dem Tages­tief des Indi­zi­es höher ist, als an den Vor­ta­gen. Fällt der Markt nach Dis­tri­bu­ti­ons­ta­gen, so soll­te die dar­auf fol­gen­de Bewe­gung nach oben schwach ver­lau­fen. Meist tre­ten meh­re­re Dis­tri­bu­ti­ons­ta­ge in der Nähe von loka­len Hoch­punk­ten auf: Der Markt gerät also unter Dis­tri­bu­ti­on, wäh­rend er noch steigt. Die Dis­tri­bu­ti­on fin­det meist über meh­re­re Wochen bzw. Mona­ten statt.  Am bes­ten betrach­tet man nicht nur einen Markt, son­dern kon­trol­liert meh­re­re auf Dis­tri­bu­ti­ons­ta­ge: Für den ame­ri­ka­ni­schen Akti­en­markt bspw. den S&P 500, NYSE Com­po­si­te, Nasdaq und Dow Jones.

 

ES Distributionstage

 

Mit den hier auf­ge­führ­ten Hilfs­mit­teln kön­nen wir sehr ein­fach bestim­men, ob wir es mit einer Baisse zu tun haben oder nur mit einer „nor­ma­len“ Kor­rek­tur in einer Hausse. Kei­nes der hier auf­ge­führ­ten Instru­men­te befä­higt uns genau am Top zu ver­kau­fen und uns auf eine bevor­ste­hen­de Baisse vor­zu­be­rei­ten. Stu­diert man die hier auf­ge­führ­ten Charts genau­er, erkennt man eine Baisse trotz­dem bereits in ihrem Früh­sta­di­um. In der Pra­xis ist es so, dass die hier auf­ge­führ­ten Kenn­zei­chen einer Baisse meist nach und nach für den Tra­der offen­sicht­lich wer­den. Bedenkt man aber, dass Bais­sen meist in ihrem Ver­lauf zu cras­har­ti­gen Abver­käu­fen nei­gen, kann sich der auf­merk­sa­me Tra­der früh­zei­tig dar­auf ein­stel­len.