DAX fällt in ein Som­mer­loch

Andreas Mueller Aktuelles Comments

Beim Blick auf den Chart ist sofort ersicht­lich: Die Som­mer­lau­ne der Vor­wo­che konn­te nicht fort­ge­setzt wer­den. Im Gegen­teil: Der DAX litt unter einer Art „Som­mer­ge­wit­ter”. Mei­ne Ein­schät­zung der Vor­wo­che HIER im Blog, dass wir in Rich­tung All­zeit­hoch lau­fen könn­ten, nach dem gezeig­ten Range-​Ausbruch, war somit falsch. Wir sahen viel­mehr einen DAX unter Druck. Grün­de dafür sind schnell gefun­den. Die State­ments der Euro­päi­schen Noten­bank und der sich aus­wei­ten­de Abgas­skan­dal. Bei­des kam mehr oder weni­ger über­ra­schend und war im Chart­bild schwer­lich vor­ab sicht­bar. Den­noch obliegt es jedem Bör­sia­ner selbst, wie er dar­auf reagiert und wie fle­xi­bel er sich den Markt­ge­ge­ben­hei­ten anpasst. In die­sem Sin­ne pas­se ich auch in die­ser Woche mei­nen Blick an das aktu­el­le Chart­bild an und gebe zuvor ein paar klei­ne Rück­bli­cke auf die Ereig­nis­se und Kurs­ver­läu­fe des DAX in der Vor­wo­che.

 

Rück­blick auf die Han­dels­ta­ge der Vor­wo­che

Immer­hin noch leicht posi­tiv star­te­te die ver­gan­ge­ne Han­dels­wo­che. Dort war noch immer die Phan­ta­sie im Markt zu spü­ren, an die Gewin­ne ober­halb von 12.600 Punk­ten anknüp­fen zu kön­nen. Doch schon intra­day sah man am Mon­tag fal­len­de Hoch­punk­te im Chart­bild visua­li­siert:

DAX unter Druck: Keilformation

Keil­for­ma­ti­on im DAX

Immer­hin hielt der Auf­wärts­trend noch, der hier als Linie ein­ge­zeich­net war und von Frei­tag, dem 14.07. stamm­te.

Mit dem Han­dels­start am Diens­tag wur­de dann genau die­se gezeig­te Auf­wärts­trend­li­nie gebro­chen. Es folg­ten nicht nur kur­ze Ver­kaufs­or­ders, son­dern die Markt­stim­mung kipp­te kom­plett. Bis zur Eröff­nung der Wall Street beweg­te sich der DAX in einem kom­plet­ten Abwärts­trend.

DAX unter Druck: Trend-Tag

Trend­ka­nal im DAX

Dies stimm­te schon ein­mal sehr skep­tisch, denn an der Wall Street selbst waren die Vor­ga­ben rela­tiv gut. Die Quar­tals­sai­son lie­fer­te vor allem im Tech­no­lo­gie­be­reich gute Ergeb­nis­se ab. Vor allem Net­flix glänz­te hier und sprang förm­lich auf ein neu­es All­zeit­hoch. Damit war auch ALLZEITHOCH das bestim­men­de Wort im Index der US-​Technologiewerte Nasdaq Com­po­si­te. Die­ser leg­te im lau­fen­den Jahr nun schon mehr als 18 Pro­zent zu und sieht wei­ter­hin bul­lisch aus. Zu sehen hier im Chart­bild:

DAX unter Druck entgegen dem Nasdaq

Nasdaq 100 dage­gen mit neu­en Rekor­den

Eine aus­führ­li­che Ana­ly­se, wel­che Wer­te ihn tra­gen und wel­che Unter­schie­de es in den Index­be­zeich­nun­gen gibt, fin­den Sie von mir hier als Nach­richt auf Trading-​Treff.

Zurück zum DAX: Die­ser pen­del­te am Mitt­woch eher seit­wärts und sprang am Don­ners­tag etwas zu opti­mis­tisch vor der EZB-​Sitzung bereits am Mor­gen über sei­nen bis dato eta­blier­ten Wochen-​Abwärtstrend. Sogar mit einem GAP, wel­ches vie­le Bör­sia­ner recht skep­tisch mach­te.

DAX unter Druck: Signal

Signal bei Trend­bruch war nicht von Dau­er

So beschrieb ich dies auch in den Vor­wo­chen und genau die­ses GAP wur­de mit der EZB-​Pressekonferenz am Nach­mit­tag auch wie­der geschlos­sen. Was war kon­kret gesche­hen?

Die Null­zins­po­li­tik der EZB soll bei­be­hal­ten wer­den und damit ein­her­ge­hend auch die wei­ter­hin locke­re Geld­po­li­tik. Der Euro über­sprang zum Dol­lar die 1.16 und beweg­te sich damit auf den höchs­ten Stand seit zwei Jah­ren. „Mario Draghi hat heu­te die Euro-​Bullen von der Lei­ne gelas­sen”, resü­mier­te Markt­ex­per­te Jochen Stanzl von CMC Mar­kets.

Und beim Wech­sel­kurs EUR/​USD kommt hin­zu, dass sich die Stim­mung bezüg­lich des US-​Präsidenten able­sen lässt. Denn die Stär­ke des Euro kann eben­so als Schwä­che des Dol­lars inter­pre­tiert wer­den. Die­ser hat nun seit dem Wahl­abend genau 12 Pro­zent ver­lo­ren und „war­tet“ auf Umset­zun­gen der Steu­er­re­for­men.

Der Frei­tag setz­te den Wochen­trend fort. Vor allem am Nach­mit­tag, als wei­te­re Details zum Abgas­skan­dal deut­scher Auto­bau­er und der Vor­wurf, es hand­le sich um ein lang­jäh­ri­ges Kar­tell im Raum stan­den, durch die Medi­en­ka­nä­le gin­gen. So tauch­te der DAX letzt­lich in das, seit Wochen hier immer wie­der skiz­zier­te, Frankreich-​GAP unter­halb von 12.290 Punk­ten ein.

DAX unter Druck: im GAP

Update zum DAX im Frankreich-​GAP

Vor dem Hin­ter­grund, dass eine hohe Wahr­schein­lich­keit für ein GAP-​close besteht (dazu die­ser sta­tis­ti­sche Sach­ar­ti­kel), ist dies nun ein span­nen­der Aus­gangs­punkt für die kom­men­de Han­dels­wo­che.

Ver­ges­sen darf man dabei nicht das Aus­ein­an­der­lau­fen von Wall Street und Euro­pa – hier im direk­ten Ver­gleich ein­mal der DAX und Dow Jones auf Sicht von einem Monat:

DAX unter Druck: Dow Jones steigt

Direk­ter Ver­gleich Dow Jones und DAX

Allein in die­ser Woche stan­den -3,1 Pro­zent im DAX nur -0,3 Pro­zent im Dow Jones gegen­über. Und hier bin ich nicht in der Kom­ma­stel­le ver­rutscht!

 

Auch in der kom­men­den Woche Ver­kaufs­druck?

Das Frankreich-​GAP ist somit ange­ris­sen und eröff­net aus chart­tech­ni­scher Sta­tis­tik her­aus betrach­tet eine hohe Chan­ce, geschlos­sen zu wer­den. Dies wäre bei Kur­sen um 12.080 der Fall.

DAX unter Druck: GAP Restweg

Letz­te Weg­stre­cke bis GAP-​close

Unter­schät­zen darf man hier­bei nicht die Magnet­wir­kung der 12.000er-Marke. In einer Trend­be­we­gung kann die­se schnell erreicht wer­den und damit wei­te­re Abga­ben nach sich zie­hen. Domi­nant ist in die­sem Chart­aus­schnitt auf jeden Fall nun (wie­der) der Abwärts­trend. Die­ser beginnt ab dem All­zeit­hoch und dem Nicht-​Erreichen der 13.000 vor etwa einem Monat:

DAX unter Druck: Abwärtstrend

Abwärts­trend im DAX domi­niert

Ein gro­ßes Kauf­si­gnal ent­steht also erst mit des­sen Über­schrei­tung und war vor einer Woche noch rea­lis­tisch (daher mein Opti­mis­mus vor einer Woche), nun aber in wei­te Fer­ne gerückt. Genau gesagt 300 Punk­te ent­fernt.

Kurz­fris­ti­ge­re Ent­war­nung gibt es jedoch, wenn die GAP-​Oberkante (ob vor oder nach einem GAP-​close) zurück erobert wer­den wür­de. Knapp dar­über lagen die Tiefs der ver­gan­ge­nen bei­den Wochen mit 12.320 Punk­ten etwa. Ab hier wür­de sich das Chart­bild auf­hel­len und eine gute Chan­ce auf eine Gegen­be­we­gung bis zu die­sem gro­ßem Abwärts­trend ein­tre­ten kön­nen. Im Chart­bild sieht dies so aus:

DAX unter Druck: Richtungswechsel

Ab hier mög­li­cher Rich­tungs­wech­sel im DAX

Direkt zur Eröff­nung am Mon­tag gilt es somit, den ers­ten Impuls genau zu beob­ach­ten. Bul­len und Bären dürf­ten sich ein enges Gefecht lie­fern. Und als Tra­der kön­nen Sie davon natür­lich pro­fi­tie­ren, ist die Vola­ti­li­tät nun end­lich wie­der zurück am Markt. Allein der VDAX als Grad­mes­ser der Vola­ti­li­tät an der Deut­schen Bör­se stieg am Frei­tag um 21,34 Pro­zent an!

Nach der EZB-​Sitzung in die­ser Woche steht für die kom­men­de Woche dann die Zins­ent­schei­dung in den USA durch die FED an. Mitt­woch um 20 Uhr wer­den wir also deren Aus­rich­tung und Impul­se auf die Märk­te sehen.

 

Herz­li­chen Dank für Ihr Inter­es­se und einen erfolg­rei­chen Wochen­start,

Ihr Andre­as Muel­ler (Bernecker1977)