DAX im Schat­ten der Wall Street. War­um eigent­lich?

Andreas Mueller Aktuelles Comments

Ein ziem­li­cher Schreck zum Frei­tag, als der DAX mit deut­li­chen Kurs­ver­lus­te unter die 13.000 und wenig spä­ter auch unter die Tiefs der ver­gan­ge­nen Woche fiel. Die Mel­dun­gen dazu kamen indi­rekt von der deut­schen Poli­tik, dem star­ken Euro und gegen Abend dann aus dem Kreis um Donald Trump. Sie führ­te an der Wall Street jedoch nicht zu einer Trend­wen­de, wäh­rend der DAX stark schwä­chel­te. Es galt dort das Mot­to, wie in der Vor­wo­che, „Poli­ti­sche Bör­sen haben kur­ze Bei­ne” (so auch der Titel der Vor­wo­chen­ana­ly­se) und wur­de rela­tiv schnell auf­ge­holt. Zu spät für den DAX, den ich hier im Wochen­ver­lauf und Aus­blick nun genau­er ana­ly­sie­ren wer­de.

Die Woche mit Trading-​Chancen im Schnell­durch­lauf

Im Wochen­sal­do leg­te der Dow Jones letzt­lich um 2,7 Pro­zent zu und voll­zog damit die bes­te Han­dels­wo­che seit Dezem­ber 2016. Jeder Tag schloss im Plus und selbst der „Schock­mo­ment” am Frei­tag, als die Kur­se bis auf 23.921 Punk­te fie­len, ende­te mit einem mini­ma­len Minus von 0,2 Pro­zent. Die Bul­len an der Wall Street sind auf­ge­schreckt wor­den, aber nicht vom Par­kett ver­trie­ben!

Man müss­te mei­nen, im Fahr­was­ser der Wall Street ent­wi­ckel­ten sich DAX und Dow ähn­lich gut. Doch weit gefehlt. An der Ral­ly nahm der Deut­sche Akti­en­in­dex nur stre­cken­wei­se und mit anschlie­ßen­der Ernüch­te­rung teil. Die 13.000er-Marke stand immer wie­der im Fokus und bot für Tra­der (hier Chart­bild und mein Tra­ding von JFD Bro­kers) mehr­fach eine Art Boden und Kauf­im­pul­se zum Wochen­start:

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: DAX Marke Vorwoche

Mehr­fa­ches Signal an der 13.000 im DAX

Gleich am Mor­gen war dabei die Dyna­mik dabei noch am stärks­ten. Sie ebb­te bis zum Han­dels­en­de ab. Per XETRA schloss der DAX dann punkt­ge­nau auf der 13.000 mit einem Abschlag von 0,46 Pro­zent. Sor­gen mach­te noch immer die haus­ge­mach­te Poli­tik. Denn neue posi­ti­ve Erkennt­nis­se zur nicht voll­zo­ge­nen Regie­rungs­bil­dung lie­ßen auf sich war­ten. Ein Blick auf ande­re Assets las­te­ten zudem schwer auf dem DAX. So war am Diens­tag neben dem erstark­ten Euro noch der Gold­preis zu nen­nen, der sich an die 1.300er-Marke her­an­ar­bei­te­te und zwi­schen­zeit­lich auch in den USA für eine Art Brem­sung sorg­te.

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: Gold als Antreiber

Gold zeigt Aus­wir­kun­gen auf DAX und Dow

Es reich­te im DAX jeden­falls noch ein­mal für einen Kurs­ge­winn von 0,46 Pro­zent. Mit Blick auf die Wall Street ver­such­te der DAX somit immer wie­der, sich von der run­den 13.000er-Marke zu lösen. Am Mitt­woch recht deut­lich mit einem GAP am Mor­gen:

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: GAPs

GAP-​Trading im DAX oft mög­lich

Über 13.200 schaff­te er es jedoch nicht und ging am Nach­mit­tag zur Gegen­rich­tung über. Das gezeig­te GAP lock­te schein­bar und wur­de qua­si in letz­ter Han­dels­mi­nu­te dann noch geschlos­sen:

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: GAPs

GAP geschlos­sen im DAX

Am Ende war es eine Null­num­mer, also eine DAX-​Performance des Tages von 0,00 Pro­zent. Der Mitt­woch stell­te jedoch durch die­sen Rich­tungs­wech­sel mit dem größ­ten Han­dels­vo­lu­men letzt­lich den umsatz­stärks­ten Tag der Han­dels­wo­che dar. In des­sen Schat­ten grif­fen die Bul­len am Don­ners­tag noch ein­mal an, schaff­ten aber mit 13.177 Punk­ten im Hoch nicht das gezeig­te Niveau. Was folg­te, war erneut eine Ernüch­te­rung zum XETRA-​Ende. Es schien fast so, als ob die Gewin­ne der Vor­mit­ta­ge immer am Nach­mit­tag wie­der zer­stört wur­den.

Am Frei­tag änder­te sich dies. Denn hier star­te­te der Ver­kaufs­druck bereits am Vor­mit­tag. Mit der Unter­schrei­tung der 13.000er-Marke kam eine Men­ge Druck auf, die in einer ers­ten Wel­le bis zur 12.900 reich­te und im Tief­punkt die 12.810 erreich­te. Eine Erho­lung am Nach­mit­tag ging noch ein­mal zum Aus­bruchs­ni­veau zurück, wie man im Chart­bild von wallstreet-​online gut sehen konn­te:

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: DAX Freitag

Intraday-​Chartbild DAX Frei­tag

Kurz nach 17 Uhr dann der „Schock” – Donald Trumps frü­he­rer Sicher­heits­be­ra­ter Micha­el Flynn bekann­te sich schul­dig, dem FBI im Zuge der Russland-​Affäre eine Lüge prä­sen­tiert zu haben. Dies erzeug­te erneu­ten Druck zum XETRA-​Ende, den man hier rechts im Chart­bild noch sah. Vola­ti­ler reagier­te beim direk­ten Ver­gleich zwi­schen DAX und Dow der Dow Jones selbst, wie hier kurz nach dem Rutsch dar­ge­stellt:

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: Dow Jones

Ers­te Bewe­gung im Dow Jones am Frei­tag

Zufäl­li­ger­wei­se fand der Impuls genau am Vor­ta­ges­hoch statt, was aber auch Zufall in der Chart­tech­nik sein kann. Die Erho­lung danach sah man dann im DAX nicht mehr. Den­noch hier ver­merkt: Der Dow Jones hol­te bis auf ein Mini-​Minus von 0,2 Pro­zent die Kurs­ver­lus­te auf und schloss dann, wie ein­gangs geschrie­ben, mit der bes­ten Han­dels­wo­che seit Dezem­ber 2016 ab.

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: Dow Jones

Fazit NACH dem Frei­tags­han­del im Dow Jones

Im direk­ten Ver­gleich von DAX und Dow Jones lau­fen die­se Indi­zes somit aus­ein­an­der.

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: Vergleich

Direk­ter Ver­gleich DAX und Dow

Wie könn­te der Ver­lauf nun in der Kalen­der­wo­che 49 wei­ter­ge­hen?

Aus­blick auf die kom­men­de DAX-​Handelswoche

Grund für die jüngs­te Ral­ly an der Wall Street ist die Steu­er­re­form von Donald Trump. Sie stand lan­ge in Aus­sicht und wur­de nun end­lich spe­zi­fi­ziert und zur poli­ti­schen Umset­zung gebracht. Die dafür erfor­der­li­che Abstim­mung im Senat lief am Frei­tag­abend noch und wur­de nach aktu­el­len Mel­dun­gen hauch­dünn voll­zo­gen. Damit kom­men vor allem Unter­neh­men Erspar­nis­se im Steu­er­recht zu Gute. Hel­fen soll es letzt­lich aber der Wirt­schaft und damit könn­te dies auch wei­ter­hin für gute Stim­mung an der Wall Street sor­gen.

Es domi­nie­ren aktu­ell somit die Wider­stän­de im DAX. Erst ein­mal der Abwärts­trend, der neu jus­tiert wur­de im Stun­den­chart und ab dem All­zeit­hoch bei 13.525 Punk­ten beginnt. Zudem der Bereich um 13.200 Punk­te, der in die­ser Woche nicht über­schrit­ten wer­den konn­te. Bei­des in fol­gen­dem Chart­bild rot dar­ge­stellt:

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: Stundenchart

Wider­stän­de im DAX Stun­den­chart

Dort sieht man auch recht gut, wie bei 12.850 und 12.920 immer mal wie­der eine klei­ne Unter­stüt­zung ein­ge­zo­gen wer­den kann. Auf die­se kam ich in den Vor­wo­chen immer wie­der zu spre­chen. Bei Dyna­mik wie am Frei­tag kön­nen sol­che Mar­ken natür­lich über­rannt wer­den, sind dann aber für einen Rebound sehr gute Zie­le.

Im gro­ßen Chart­bild, dem Tageschart, stößt der DAX mit die­sen Bewe­gun­gen zudem auf die Hochs aus Mai/​Juni. Um dies zu sehen, muss man schon etwas zurück­scrol­len bzw. eben die­sen Tageschart bemü­hen. Mit Sicher­heit ist dies aber von den grö­ße­ren Adres­sen am Kapi­tal­markt nicht unbe­ob­ach­tet und sorgt dort für Nach­fra­ge. Aus die­sem Grund auch die­ser Blick hier zur Ori­en­tie­rung:

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: Tageschart

DAX im Tageschart mit Unter­stüt­zung

Dar­aus folgt: Fal­len wir unter 12.800 könn­ten grö­ße­re Adres­sen hier Bestän­de auf den Markt wer­fen und die Jah­res­en­dral­ly zunich­te machen. In die­sem Fal­le ist die 12.550 ver­mut­lich schnell erreicht. Aus­lö­ser könn­te ein­mal mehr die Poli­tik in den USA und der geschwäch­te Prä­si­dent Trump sein. Dort ist zwar noch alles chart­tech­nisch intakt, wie schnell und hef­tig eine Reak­ti­on auf dem hohem Niveau aber aus­fal­len kann, sahen wir am Frei­tag. Dem wird sich unser DAX nicht ent­zie­hen kön­nen.

Im Tra­ding des DAX fokus­sie­re ich mich auf fol­gen­de „Ent­schei­dungs­mar­ke”:

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: DAX-Marke

Im Fokus für mein Tra­ding im DAX

Denn hier sind wir immer wie­der ange­sto­ßen und konn­ten gute Bewe­gun­gen voll­zie­hen. Mein Ide­als­ze­an­a­rio ist somit ein Hoch­lau­fen zur Markt­er­öff­nung bis 13.030 Punk­ten und dann die Ent­schei­dung (je nach Dyna­mik) an die­ser Stel­le, ob es nur eine Kor­rek­tur war:

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: DAX-bärisch

Sze­na­rio Abprall DAX

Oder doch noch eine Jah­res­en­dral­ly in Aus­sicht steht:

DAX und Dow mit gegenläufiger Entwicklung: DAX-bullisch

Sze­na­rio bul­lisch im DAX

Ter­min­lich rich­tet sich der Blick vor allem auf den Frei­tag. Denn dann wird die US-​Arbeitslosenquote ver­öf­fent­licht und ist das „Shut­down Limit” für den US-​Haushalt als Schul­den­ober­gren­ze ein nicht zu igno­rie­ren­der Punkt.

 

Herz­li­chen Dank für Ihr Inter­es­se und einen erfolg­rei­chen Wochen­start,

Ihr Andre­as Muel­ler (Bernecker1977)