Der anpassungsfähige Trader ist im Vorteil

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Möglicherweise kennt der ein oder andere (Day-)Trader die Situation: Das Trading funktioniert klasse, fast jeder Trade seines Handelssystems geht auf. Der Markt bietet einem sehr viele Chancen, die eigene Tradefrequenz ist hoch, die Tradingtage lange und das erwirtschaftete Plus am Ende des Tages überdurchschnittlich gut. Auch für Swing- und Positionstrader gilt Ähnliches, wenn auch in etwas anderer Form: In tollen Phasen, kann an Positionen sehr lange festgehalten werden und die Tradefrequenz ist eher gering. Man ist sehr erfreut, wie oft der Markt eine Stoppversetzung zulässt.

Da der Markt ständig im Entstehen ist, andauernd eine Anpassung von Angebot und Nachfrage stattfindet, wird irgendwann eine andere Phase anbrechen, in der das eigene Handelssystem weniger gut oder überhaupt nicht mehr funktioniert. Dann hagelt es meist einen Minustrade hintereinander, zumindest aber scheint die Leichtigkeit der Tradingtage von zuvor verflogen. Wer als Trader dann nicht in der Lage ist, recht schnell auf die Veränderung zu reagieren, läuft Gefahr viel von dem vorher Erwirtschafteten leichtsinnig wieder zu verlieren.

Es gibt fruchtbare Böden und steindurchsäte Äcker: Auf dem einen Boden gedeiht alles wie von selbst, auf dem anderen kann man sich schon glücklich schätzen keine Missernte einfahren zu müssen. Genauso verhalten sich die Märkte. In manchen Phasen klappt das Handelssystem super, in anderen nur beschwerlich oder kaum. Als Trader müssen wir uns, wie ein Chamäleon, an diese Veränderungen anpassen. Es gibt einfache Wege dies zu meistern: Entweder weniger traden und die Positionsgröße herunterfahren oder einfach im Anlageuniversum der Märkte nach einem für sein System geeigneten Markt suchen. Wer ein Handelssystem, abgestimmt auf einen ganz speziellen Markt handelt, für den kommt nur ersteres in Frage. Trader, die hingegen Setups handeln bei denen es egal ist, in welchem Markt dieses vorkommt, sollten auf Variante zwei ausweichen.

Im Folgenden wird das Gesagte nochmals vertieft:

Beispiel 1:

Ein Swing Trader, der den SP&500 mit einer trendfolgenden Systematik erfolgreich handelt, wird ab 2015 gehäuft Fehlsignale verkraften müssen. Merkt man, dass mehrere Trades hintereinander nicht mehr ins Laufen kommen, sollte man vorsichtiger werden und sich an diese Situation anpassen: Ähnlich wie ein Autofahrer, der im Herbst auf nasser, laubbedeckter Fahrbahn den Fuß auf der Bremse hat und bereit ist zu reagieren. Nur, wie erkenne ich, wann es ratsam ist, die Positionsgröße bzw. Tradefrequenz anzupassen? Ein paar hilfreiche Tipps:

  • Beobachte die Entwicklung deiner Equity Kurve und höre auf das Feedback, dass du von ihr bekommst: Sinkt diese ist das ein Anzeichen, dass der Trader sich mit dem Markt schwer tut. Steigt sie, kommt er gut mit dem Markt zurecht.
  • Beobachte die Kurse: Hat der Markt „Momentum“ oder werden neue Hochs schnell wieder abverkauft? Was liegt für ein Markt vor – ein „trendstarker“ von Momentum geprägter Markt oder ein richtungsloser Rangemarkt. Darüber gibt die Betrachtung der Architektur des Chartbildes Aufschluss, aber auch Filterungen durch Indikatoren, wie bspw. den ADX können einem dabei helfen.
  • Desweiteren können Indikatoren, wie bspw. der NH-NL Index einem helfen die Verfassung des Marktes zu studieren – Ist dieser stark oder schwach.
  • Die Intermarket Analyse kann ein Mittel sein, um Rückschlüsse auf die Geldströme zwischen den einzelnen Assetklassen zu erhalten – Wohin fließt das große Geld?

ES-2015-Trading-Range

Beispiel 2:

Grundsätzlich lässt sich diese Aussage bei der Einbeziehung des kompletten Anlageuniversums am besten erklären. Der Trader handelt ein bestimmtes Muster, welches ihm heilig ist. Ansonsten legt er sich keinerlei Beschränkungen auf, bspw. nur Indizes zu traden wollen. Er begibt sich lieber stets auf die Suche seines Lieblingssetups im kompletten Anlageuniversum. Denn geht es dem Trader wirklich nur um ein Setup, so ist er besser beraten dieses sorgfältig zu suchen, anstatt sich irgendetwas in den Chart zu lügen.

Selbst, wenn der Trader nur eine Anlageklasse bspw. Indizes handelt, kann er durch Anpassung eine bessere Performance erzielen: Beim Vergleich der Charts, fällt sofort auf, dass der deutsche Aktienmarkt im ersten Quartal 2015 viel besser performt hat, als der amerikanische SP&500. Ein trendfolgender Trader, wäre in dieser Zeit besser im Dax aufgehoben gewesen, als im SP&500. Nun ist es in der Nachbetrachtung natürlich immer einfach, solche Situationen zu analysieren und eine Aussage darüber zu treffen. Interessant ist aber: Gab es irgendwelche offensichtlichen Anzeichen, an denen man das höhere Potential des deutschen Marktes für eine nachhaltige Bewegung, während des betrachteten Zeitraums, hätte erkennen können? Gehen wir der Frage auf den Grund, um für die Zukunft gewappnet zu sein:

FDAX-Tradingrange ES-Trading-Range

  • Aus der Sicht der Charttechnik befand sich der Dax bereits seit einem Jahr in einer seitwärts gerichteten Tradingrange. Diese wurde im Oktober kurzfristig nach unten verlassen, was sich allerdings kurze Zeit später als Fehlausbruch herausstellte. Ein Ausbruch aus der Range, egal in welche Richtung – wenngleich zur Oberseite mit mehr Potential, da der übergeordnete Bullenmarkt in Takt ist – eröffnet Potential für eine größere Bewegung in die jeweilige Ausbruchsrichtung. Im Vergleich dazu, befand sich der SP&500 zwar auch in einer Range. Jedoch hatte diese eine deutlich kürzere Entstehungsdauer. Kurzum das Chartbild des S&P500 sah zu diesem Zeitpunkt nicht so konstruktiv aus, wie das des deutschen Leitindex. Viel entscheidender, aber waren in dieser Situation die unterschiedlichen makroökonomischen Voraussetzungen, auf die im Folgenden näher eingegangen wird.
  • Aus makroökonomischer Sicht hat sich in Europa etwas Entscheidendes getan: Die EZB hat am 22.01.2015 angekündigt bis Ende September 2016 Staatsanleihen in großem Stil aufzukaufen. Diese Entscheidung, ein sogenannter Pivot Point, stellt den bisherigen geldpolitischen Kurs der EZB grundlegend auf den Kopf. Dieser Pivot Punkt trifft zufälligerweise zeitlich genau mit dem Ausbruch aus der oben erläuterten riesigen Tradingrange zusammen, was die ganze Situation in einem noch positiveren Licht erscheinen lässt.In Zukunft können natürlich auch andere wirtschaftliche Veränderungen „Pivot Points“ darstellen und dem Trader Anhaltspunkte über die vorherrschende „Großwetterlage“ geben. In den letzten Jahren war für die westlichen Märkte die Geldpolitik das Maß aller Dinge. Derartige Entscheidungen haben immer für ein Aufwerten des Aktienmarktes im betroffenen Land geführt. Im Vergleich dazu, hat die amerikanische Zentralbank FED ihr Aufkaufprogramm von Staatsanleihen, das Quantitative Easing 3, im Oktober 2014 beendet. Ein entscheidender Treibstoff des amerikanischen Aktienmarktes der letzten Jahre, steht diesem nicht mehr zur Verfügung.

Wer als Trader immer bereit ist auf den Markt zu reagieren, wird je nach Marktumfeld gewisse Anpassungen in seinem Trading vornehmen. Diese Fähigkeit wird sich als Vorteil herausstellen und letztendlich in einer höheren Performance münden.