Wenn aus einem gedach­ten Tra­de ein unge­woll­tes Invest­ment wird

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…dann endet dies meist in einer miss­li­chen Lage!

Tra­der han­deln vie­le Pro­duk­te, Akti­en, ETFs, Futures und Optio­nen. Sie set­zen Tra­des meist auf ver­schie­de­nen Zeit­ebe­nen ab – manch­mal  schnel­le Tra­des, die nur weni­ge Minu­ten dau­ern, ab und zu lang­fris­ti­ge Tra­des, die über Mona­te, mit unter sogar Jah­re im Depot blei­ben. Ein Tra­der ist ein „akti­ver Inves­tor”. Er inves­tiert nicht im klas­si­schen Sinn in ein Unter­neh­men, um eine Ver­zin­sung sei­nes Kapi­tals in Form von einer ange­mes­se­nen Divi­den­de zu erhal­ten. Ein Tra­der han­delt aktiv die Märk­ten, egal, ob long oder short, Haupt­sa­che es bewegt sich etwas. Für ihn zählt in aller ers­te Linie der Markt­preis und kei­nen fun­da­men­ta­len Rah­men­be­din­gun­gen.

Wenn der Händ­ler nach einem Tra­ding­plan han­delt und ein kla­res Regel­werk ver­folgt, wird ihn ein ein­zel­ner Tra­de nie aus der Ruhe brin­gen kön­nen, da alles vor der Posi­ti­ons­er­öff­nung fest­ge­legt ist: Zeit­rah­men, Ein­stiegs­stra­te­gie, Stoppstra­te­gie, mög­li­cher­wei­se vor­de­fi­nier­te Kurs­zie­le, all das ein­ge­bet­tet in ein durch­dach­tes Risk- und Money­ma­nage­ment. Inter­es­sie­ren darf einen Tra­der nur sei­ne Stra­te­gie, nie dür­fen Emo­tio­nen, wie bei­spiels­wei­se Gier, Angst und Wut die Ober­hand gewin­nen.

Ein akti­ver Han­dels­stil impli­ziert vie­le Ent­schei­dun­gen, oft inner­halb kür­zes­ter Zeit. Ein nor­ma­ler Han­dels­tag, alles wie gewohnt, aber dann der EINE Tra­de, der nicht ein Tra­de blei­ben soll­te…

Was kann also pas­sie­ren? Ein gefähr­li­cher Gedan­ke schleicht sich in den Kopf:

„Ich muss die­sen Tra­de unbe­dingt posi­tiv been­den, kos­te es was es wol­le. Nur die­ses eine Mal wei­che ich von mei­nen Stopp­re­geln ab.”

Tra­der ver­lie­ren ihre men­ta­le Stär­ke, die immer vor­han­den sein muss. Sie wol­len die­sen einen „unbe­deu­ten­den” Tra­de posi­tiv been­den.

  • „Das Set­up ist immer noch stim­mig. Der Markt will nur mei­nen Stopp abfi­schen. Danach geht es garan­tiert wie­der in mei­ne Rich­tung und der Tra­de wird ein Gewin­ner.”
  • „Ich bin davon über­zeugt das der Markt fällt…” Ein „Mei­nungs­tra­de” wird meist sehr teu­er. Auch wenn es ein, zwei mal gut geht, irgend­wann will sich der Markt ein­fach nicht mehr an mei­ner Über­zeu­gung ori­en­tie­ren.
  • „Aber Herr XY hat gesagt, dass die Chan­cen für einen Kurs­an­stieg wei­ter­hin gut stehen…Ich muss hier ein­fach drin blei­ben, sonst ver­pas­se ich eine tol­le Chan­ce…” Wer sich an der Bör­se auf ande­re ver­lässt, wird es auf Dau­er schwer haben. Vor allem, wenn der Tra­de nur einer Aus­sa­ge folgt, die irgend­wo bei­läu­fig auf­ge­schnappt wur­de.

Tra­der set­zen meist in die­ser Situa­ti­on noch einen ent­schei­den­den Feh­ler drauf, der schließ­lich zum Tod des Kon­tos füh­ren kann:

„Ich muss mei­ne Posi­ti­on ver­grö­ßern, somit ver­bil­li­ge klu­ger­wei­se mei­nen Ein­stieg… Wenn der Markt mei­nen Ein­stiegs­kurs erreicht, ver­kau­fe ich sofort!”

Macht der Händ­ler die­sen Feh­ler, ent­schei­det er sich je nach­dem, was er für ein Pro­dukt han­delt, ent­we­der für den lang­sa­men oder schnel­len Total­ver­lust, zumin­dest aber für eine gewis­se Hand­lungs­un­fä­hig­keit. Ers­te­res ist der Super­gau, letz­te­res aber auch nicht viel bes­ser, da das Kapi­tal des Tra­ders Lebens­eli­xier ist.

Natür­lich kann es auch gestan­de­nen Pro­fis pas­sie­ren, dass sie das Mensch­li­che mal über­mannt und sie sich und ihr Depot in eine miss­li­che Lage manö­vrie­ren, wobei bei die­sen das Money­ma­nage­ment stim­mig ist und somit die­ser Tra­de „nur” ein „out­stan­ding loser” sein wird.

Doch gera­de in einer sol­chen Situa­ti­on wird sich die Spreu vom Wei­zen tren­nen. Ein guter Tra­der ist zu jeder Zeit in der Lage, recht­zei­tig ernst­haf­te Gefah­ren zu erken­nen und wie­der Herr über sich und sei­ne Psy­che zu erlan­gen. Auch in einer sol­chen Lage muss der Händ­ler in der Lage sein ratio­na­le Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und die­se kon­se­quent umzu­set­zen. Nur so bleibt es bei einem außer­ge­wöhn­lich hohen Ver­lust, der aber ohne wei­te­res ver­kraf­tet wer­den kann.

Was tun, wenn man sich in einer sol­chen Situa­ti­on wie­der­fin­det?

Han­deln, sofort die Posi­ti­on schlie­ßen und den Ver­lust akzep­tie­ren. Ist man erfah­ren und hat so eine Situa­ti­on schon ein­mal gemeis­tert, kann man ver­su­chen „bes­ser” aus dem Markt zu kom­men, bei­spiel­wei­se bei der nächs­ten Kor­rek­tur, falls die­se abseh­bar ist. Eine ande­re Mög­lich­keit ist es noch, die Posi­ti­on zu hedgen, wobei auch hier unbe­dingt Wis­sen und Erfah­rung erfor­der­lich ist.