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Wie unsere Psychologie Investitionsentscheidungen beeinflusst

Fabian Allgemein Leave a Comment

Menschen sind emotionale Wesen. Jeder hat seine ganz eigene „Psychologie“. So manche Handlung von Menschen kann jedoch immer wieder beobachtet werden und lässt sich deshalb auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Dies gilt auch für Investitionsentscheidungen an der Börse. Vieles davon ist aus rein mathematischer Sicht nicht nachzuvollziehen, sondern spielt sich im Kopf als eine intuitive Abschätzung ab. Vielen ergeht es vor allem beim diskretionären Trading so. Unser Kopf spielt uns einen Schabernack und lässt uns unvernünftige Entscheidungen treffen:

Ist die Situation noch einfach zu erfassen, kommen wir schnell dahinter, was passieren muss, damit ein Trade attraktiver wird: Nehmen wir an wir möchten den Dax handeln und wissen, dass wir mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent einen Gewinn von 100 Punkten machen und mit 20 Prozent Wahrscheinlichkeit 400 Punkte verlieren. Errechnen wir den Erwartungswert, also den Mittelwert aus allen möglichen Ergebnissen, so liegt dieser bei unserem Beispiel bei null. Der Trade würde an Attraktivität gewinnen, wenn bspw. die Gewinnwahrscheinlichkeit oder der mögliche Gewinn ansteigt.

Schwieriger wird es da schon, wenn bei zwei möglichen Handelssystemen entweder das Gleiche herauskommt oder der Vergleich zwischen den Alternativen Schwierigkeiten macht.

Hat man die Entscheidung zwischen zwei Handelssystemen, bei denen der Erwartungswert gleich ist, muss ein anderer Parameter geprüft werden – bspw. die Volatilität bzw. Schwankungsbreite: Es gilt, je geringer diese ist, desto weniger Risiko. Mathematisch wird dies als Quadratwurzel der sogenannten Varianz gemessen, die wiederum angibt, wie stark die Ergebnisse streuen. Allerdings, muss hinzugefügt werden, dass es sich herbei um ein rein theoretisches Konzept handelt. In der Praxis haben überoptimierte Systeme nur eine kurze Haltwertszeit. Wir möchten kurz ein Beispiel skizzieren: Beide Systeme handeln nur den Dax. „System 1“ erhandelt in 80 Prozent der Fälle 100 Punkte, während in den restlichen 20 Prozent der Fälle 200 Punkte verloren werden. Das andere Handelssystem (System 2) gewinnt in 50 Prozent aller Fälle 180 Punkte und verliert ansonsten 100 Punkte. Der Erwartungswert liegt bei beiden Systemen bei 40. In unserem Beispiel wäre aus mathematischer Sicht das erste Handelssystem zu präferieren. Dieses weist mit 120 Punkte (System 1) zu 140 Punkten (System 2) eine geringere Volatilität auf.

Schwieriger wird eine Entscheidung für eine Alternative, wenn Erwartungswert und Volatilität gleich sind. Bleiben wir bei unseren beiden Handelssysteme und passen das Beispiel entsprechend an: Das Handelssystem 2 muss mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent einen Gewinn von 160 Punkten versprechen und mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent 80 Punkte im Verlustfall „kosten“, damit Erwartungswert und Volatilität bei beiden Systemen gleich sind.

Viele Trader würden intuitiv auf System 2 schwören, da es augenscheinlich weniger riskant ist und einen höheren Gewinn verspricht. Noch deutlicher wird es, wenn man das System 2 nochmals anpasst ohne aber die Grundüberlegung zu ändern – Erwartungswert und Volatilität sollen gleich bleiben: Nun gewinnt das System 2 in 40 Prozent der Fälle 187 Punkte und verliert in 60 Prozent der Fälle 58 Punkte. Viele Menschen würden nun noch stärker auf System 2 pochen.

Aber warum ist das so?

Menschen haben laut den Finanzwissenschaftler Tobias Regele und Martin Weber von der Behavioral Finance Group an der Universität Mannheim eine große Präferenz für „positive Schiefe“: Menschen sind eher bereit, Risiken einzugehen, wenn ihnen deren Ausmaß überschaubar erscheinen und wenn sie sich dabei Hoffnungen auf einen großen Gewinn machen können, selbst wenn dieser unwahrscheinlich ist. Anders ausgedrückt: Positive Schiefe bezeichnet den Umstand, wenn es eine geringe Wahrscheinlichkeit für einen sehr großen Gewinn und eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen kleinen Verlust gibt. Negative Schiefe besteht, wenn es eher unwahrscheinlich ist etwas zu verlieren, aber bei einem Verlust, dieser entsprechend groß wäre.

Überträgt man dieses Wissen auf das diskretionäre Trading, versteht man, wieso viele Trader gerne sehr enge Stopps verwenden und im gleichen Moment extrem weite Kursziele präferieren. Es wird versucht mit einem sehr kleinen „Marktrisiko“ sehr große Gewinne zu erzielen. Am besten vergleichbar ist dieses Verhalten mit dem wöchentlichen Lotto spielen: Durch einen sehr wahrscheinlichen – aber gut verkraftbaren Verlust (Kauf des Lottoscheines) – auf ein nahezu unwahrscheinliches Ereignis wetten (Jackpot).